Barf – das Fleisch im Napf

Barf – das Fleisch im Napf

Nachdem ich dir letzte Woche näher erklärt habe, was es mit den tierischen Bestandteilen auf sich hat und worauf es ankommt, werde ich dir heute näher erläutern, welche Komponenten im Napf deines Hundes landen können und was sonst noch wichtig ist.

In dem Artikel  „Barf – welche Nahrungsmittel können gefüttert werden?“ gab es eine schöne Grafik zu der Aufteilung der tierischen Bestandteile. Erinnerst du dich? Darin habe ich dir dargestellt, wie und in welchem Verhältnis die tierischen Bestandteile zusammengesetzt werden.

Kurzer Nährstoffüberblick

Fleisch nimmt den Hauptbestandteil beim barfen ein und das nicht ohne Grund. Folgende Nährstoffe sind u. a. im Fleisch enthalten:

  • ALLE Aminosäuren in der für Hunde höchsten biologischen Wertigkeit
  • Sehr viele Mineralstoffe, z.B. Eisen und Kupfer. Vor allem Knochen enthalten Calcium und Phosphor in der für Hunde am besten geeigneten Ausgewogenheit.
  • Essentielle Fettsäuren, vor allem Geflügel ist reich davon
  • Viele Vitamine, vor allem die fettlöslichen A, D und E.

Welche Sorten werden gefüttert?

  • Rind, hierbei Muskelfleisch, Kopffleisch, Schlund, Kehlkopf, Innereien, Pansen, Ohren, Rippenknochen, Brustknochen …
  • Geflügel wie z.B. Huhn, Ente oder Pute, hiervon Brustfleisch, Karkassen, Hälse, Flügel, Innereien …
  • Wild, wie z.B. Reh, Kaninchen
  • Diverse Sorten wie z.B. Lammfleisch, Pferdefleisch und auch exotischere Sorten wie Rentier oder Strauß (bei den ungewöhnlicheren Sorten sollte immer bedacht werden, dass für diese meist ein langer Transportweg nötig ist. Man sollte sich überlegen, ob das ökologisch wirklich Sinn macht, zumal wir ja genügend heimische Tierarten haben, die zur Verfügung stehen).

Die barf-Philosophie

Entgegen der Philosophie der Fertigfutterindustrie liegt beim barfen das Hauptaugenmerk nicht auf der Auflistung und Umrechnung der Nährstoffe auf den täglichen Bedarf. Man unterstellt bei einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Fütterung, dass die Nährstoffe in ihrer besten Form und Ausgewogenheit zur Verfügung gestellt werden. Deshalb ist es so wichtig, auch die Fleischsorten zu variieren. Die Abwechslung in der Fütterung (und somit Ausgewogenheit) wird immer auf einen Zeitraum betrachtet, nicht auf die tägliche Fütterung. Bei Unsicherheiten kann es helfen, sich von einer Fachperson einen Plan aufstellen zu lassen.

Der ph-Wert

Durch die Anatomie und Physiologie des hündischen Verdauungstrakts wird bei der Fütterung von rohem Fleisch ein hoher Salzsäuregehalt produziert, welcher dafür sorgt, dass der ph-Wert sinkt. Dieser ph-Wert sorgt dafür, dass der Magen  gärungs- und fäulniswidrige Eigenschaften entwickelt, wodurch eine sehr gute Bakterienabwehrfunktion entsteht. Die Geschichten von den Gesundheitsrisiken durch rohes Fleisch sind damit widerlegt. Es geht kein erhöhtes Gesundheitsrisiko von der Fütterung durch rohes Fleisch aus, da der Hundeorganismus durch die Stimulation „rohes Fleisch“ mit Bakterien und Krankheitserregern sehr gut umgehen kann. Was die Risiken für den Mensch betrifft, sollte man einfach die üblichen Hygienemaßnahmen einhalten, die man auch bei der Zubereitung fleischiger Mahlzeiten für den Mensch an den Tag legt.

Besonderes Thema Schweinefleisch

Schweinefleisch kann mit dem lebensgefährlichen Aujeszky-Virus, auch Pseudo-Tollwut genannt,  infiziert sein. Zwar gilt Deutschland als Aujeszky-Virus-frei, jedoch sollte man sich auf diese Aussage nicht unbedingt verlassen. Die Erkrankung fällt unter das Seuchengesetz, was bedeutet, ein Hund wird bei Verdacht auf jeden Fall eingeschläfert. Es gibt keine Medikation gegen die Krankheit und es ist Tierärzten verboten, diese auch nur Versuchsweise zu behandeln. Aus diesen Gründen sollte Schweinefleisch niemals roh gefüttert werden, durch Erhitzung wird das Virus allerdings zerstört. Da genug Alternativen vorhanden  sind, ist es jedoch nicht schwer, darauf gänzlich zu verzichten.

Besonderes Thema Knochen

Knochen bieten nicht nur einen hohen Anteil und ein ausgewogenes Verhältnis an Calcium und Phosphor. Sie sind auch eine tolle und artgerechte Bereicherung des Speiseplans hinsichtlich Zahnpflege und Beschäftigung. Zahnerkrankungen wurden bei Hunden erst durch die Einführung von Fertigfutter ein Thema. Das „bearbeiten“ von Knochen sorgt für einen natürlichen Abrieb von Zahnbelägen, welche zu weiteren Problemen führen können. Beim Kauen und Nagen werden nicht nur die Zähne, sondern der ganze Körper und Muskulatur beansprucht. Das kann die mentale Ausgeglichenheit des Hundes sehr positiv beeinflussen. Auch kommt es hierdurch seltener zu Auffälligkeiten, wie z.B. dem „anknabbern“ von Möbeln oder ähnlichem. ACHTUNG: Knochen sollten nur in rohem Zustand verfüttert werden, da die Erhitzung ihre Konsistenz verändert. Gekochte und gegarte Knochen können splittern und so zur Gefahr werden.

Tipp zum Fleisch-Umgang

Die meisten Barfer decken den Fleischbedarf über sogenannte Barfshops, bei denen man das Fleisch in gefrorenem Zustand erhält. Beim auftauen sollte immer beachtet werden, dass dies nicht unter Luftausschluss geschieht, da hierbei spezielle Bakterien gebildet werden. Praktisch umgesetzt heißt das, ein Plastikbehältnis sollte zum auftauen geöffnet werden, Plastikverpackungen aufgeschnitten werden.

Im nächsten Teil werden wir uns näher mit den pflanzlichen Bestandteilen befassen. Du wirst lernen, was an Obst, Gemüse und Co gefüttert werden kann und was es zu beachten gibt.

Bis dahin sage ich …

Herzliche Pfotengrüße

Deine Lucy

Partner auf Hundeklick.de