Impfspezial - Top Ten Thesen zum Thema Impfen bei Hunden, Teil 3

Impfspezial - Top Ten Thesen zum Thema Impfen bei Hunden, Teil 3

Heute kommt der dritte Teil des Impfspezial und es geht um das Thema Tollwut! Was ist wichtig und was ist zu beachten. 

Deutschland ist seit 2008 Tollwutfrei

Richtig!                       

Nachdem im Jahre 2006 der letzte Tollwutfall bei einem Fuchs im Kreis Mainz-Bingen gemeldet wurde, hat die Weltorganisation für Tiergesundheit OIE (Office Internationale des Epizooties) Deutschland im September 2008 für offiziell frei von terrestrischer Tollwut erklärt, also der Tollwut der am Boden lebenden Tiere.

Wichtig zu wissen:

Die Tollwutimpfung zählt laut StIKo Vet. nur noch bedingt zu den Core-Impfungen, da

  • „[...] eine flächendeckende Impfung der Hunde- und Katzenpopulation in Deutschland nicht mehr angemessen zu sein scheint.“ 1 aber

„Gegen Tollwut geimpfte Tiere gemäß der derzeit gültigen Tollwutverordnung (Tollwut-VO) nach einer Exposition mit einem an Tollwut erkrankten Tier besser gestellt sind als nicht 

  • geimpfte Tiere.“ 1

Besser gestellt? Was bedeutet das?

Wenn angenommen wird, dass ein Hund oder eine Katze Kontakt mit einem seuchenverdächtigen Tier hatte

  • und ein wirksamer Impfschutz nachgewiesen werden kann, kann der Hund oder die Katze unter behördliche Beobachtung gestellt werden (Quarantäne)
  • und kein wirksamer Impfschutz nachgewiesen werden kann, kann in Einzelfallentscheidung von der Tötung absehen werden, wenn das Tier „[...] drei Monate sicher eingesperrt wird [...]“ 5

Wenn in einem Bezirk oder Betrieb die Tollwut oder der Verdacht der Tollwut amtlich festgestellt wurde

  • müssen seuchenverdächtige Hunde und Katzen getötet werden, wenn kein wirksamer Impfschutz nachgewiesen werden kann
  • bei nachgewiesenem Impfschutz kann abweichend eine Quarantäne angeordnet werden

Und wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

  • Die Tollwut ist noch in vielen Ländern weit verbreitet, allerdings gelten bis auf den äußersten Osten Polens alle Nachbarländer Deutschlands ebenfalls als tollwutfrei.
  • Die Einreisebestimmungen aller Nachbarländer und auch Deutschlands verlangen eine gültige Tollwutimpfung bei der Einreise, so dass infizierte Hunde nur über illegale Wege nach Deutschland einreisen können.

Seit 2001 sind insgesamt 18 Fälle bekannt, in denen ein mit Tollwut infiziertes Tier illegal nach Deutschland eingeführt wurde und daraufhin in Einzelfällen Kontaktpersonen und –Tiere geimpft bzw. unter Quarantäne gestellt wurden.

Es ist in all diesen Fällen kein Kontakthund euthanasiert (getötet) worden.

Wann ist eine Tollwutimpfung sinnvoll?

Die Entscheidung für oder gegen eine Tollwutimpfung sollte immer individuell nach sorgfältigem Abwägen des  N u t z e n – R i s i k o – V e r h ä l t n i s s e s  getroffen werden. Die Tollwutimpfung enthält immer Zusatzstoffe zur Wirkverstärkung und/oder Konservierung. Sie ist daher nebenwirkungsträchtig und kann zu Impfschäden führen.

Sinnvoll ist es zu impfen

  • bevor Du mit Deinem Hund ins Ausland reisen willst
    • achte hierbei auf jeden Fall auch auf die rechtzeitige Impfung (21 Tage vor Einreise in ein EU-Land) und auf die Länge der Gültigkeit (für die Wiedereinreise nach Deutschland)
  • wenn Du Dich an Bestimmungen von Vereinen, Hundeschulen, Ausstellungen, Hundepensionen oder ähnlichem halten musst, zu denen es keine Alternativen gibt
  • wenn Dein persönliches Sicherheitsbedürfnis es nötig macht

Wie oft muss geimpft werden?

Laut Tollwut-VO gelten die Angaben des Herstellers für die Gültigkeitsdauer der Impfung.

  • Für Hunde gibt es seit einigen Jahren Impfstoffe die einen Dreijahreseintrag erlauben (zur Zeit nur Nobivac T, Enduracell T und Rabisin).
  • Frage Deinen Tierarzt explizit nach einem dieser Impfstoffe, am besten vorab telefonisch und bestehe auf dem Dreijahreseintrag im Impfpass, denn nur der Eintrag gilt.
  • Eine aktuelle Übersicht über die Immunitätsdauer von Tollwutimpfungen findest Du unter: http://www.pei.de/DE/infos/tieraerzte/tierarzneimittel/tierarzneimittel-node.html

Und was ist mit der Fledermaustollwut?

Die Fledermaustollwut ist nach wie vor in Deutschland verbreitet. – 2014 wurden siebe Fälle gemeldet, im Vorjahr waren es neun Fälle.

  • Sie stellt für den Menschen ein (sehr geringes) Risiko dar, verletzte oder erkrankte Fledermäuse sollten daher nur mit äußerster Vorsicht angefasst werden (dicke Handschuhe!), bei einem Biss ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen.
  • Menschen die von einer Fledermaus gebissen wurden, können nachträglich durch ein spezielles Impfschema vor dem Ausbruch der Infektion geschützt werden.
  • Bei Hunden und Katzen wurde bisher kein Fall einer natürlichen Infektion mit der Fledermaustollwut berichtet. Laut Tierärztekammer Saarland konnte das Virus auf Hunde und Katzen im Tierversuch bisher nur mit sehr hohen Dosen und durch Infektion des Gehirns übertragen werden. 

Nächste Woche im Impfspezial

4.Für Auslandsreisen muss der Hund geimpft sein! – Worauf muss ich bei der Einreise achten? Welche Impfungen sind nötig? Was ist noch zu beachten?

Mehr zum Thema Impfen?

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* Ständige Impfkommission der Veterinäre

** Weltverband der Kleintierärzte (World Small Animal Veterinary Association)

*** Teilnahmebedingungen: ...

1 Zitat aus der Leitlinie zur Impfung von Kleintieren der StIKo Vet.

2 Zur Tollwutimpfung liest Du bald: „Deutschland ist seit 2008 Tollwutfrei.“

3 Zur Leptospiroseimpfung liest Du bald: „Leptospirose kann auf den Menschen übertragen werden und tödlich sein!”

4 Zur Zwingerhustenimpfung liest Du bald: „Zwingerhusten ist hochgradig ansteckend“

5 Zitat aus der gültigen Tollwutverordnung

Quellen:

http://www.tieraerzteverband.de/bpt/berufspolitik/Impfkommission/03-index.php

http://www.wsava.org/guidelines/vaccination-guidelines

Tollwutverordnung: http://www.gesetze-im-internet.de/tollwv_1991/BJNR011680991.html

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