Es pubertiert! Oder: “Platz” in acht Schritten.

Es pubertiert! Oder: “Platz” in acht Schritten.

Irgendwann kommst Du als alleinerziehender Hund an einen Punkt an dem Du feststellst, dass sich deine Menschen verändern. Alles was Du ihnen mühevoll beigebracht hast, scheint plötzlich vergessen zu sein.

Mein Name ist Horton. Ich bin ein 13 Monate alter Mischlingsrüde mit Migrationshintergrund und habe zwei Menschen (Männchen und Weibchen) bei mir aufgenommen. Die Beiden bereiten mir in letzter Zeit großen Kummer, da sie einfach nicht in der Lage sind mit hündischer Unlogik umzugehen.

Ich war etwas überrascht, dass ihre Pubertät so früh einsetzt, aber die Anzeichen sind jetzt mehr als deutlich erkennbar. Ich habe meinen männlichen Zweibeiner mal in Ruhe betrachtet und festgestellt, dass sein Fell in der Nase wächst, was eindeutig für eine rasant fortschreitende Adoleszenz spricht. Das Weibchen fühlt sich beim Druck auf die Rippen ziemlich “fluffig” an. Ich denke, dass ich hier etwas am Futter und der Bewegung ändern muss.

Besonders störend finde ich aber die ständigen Stimmungsschwankungen der beiden. Wo früher in der Kommunikation ein einfaches “Platz” reichte, findet jetzt plötzlich eine Podiumsdiskussion statt.

Wenn Du als Hund vor ähnlichen Problemen stehst, dann habe ich hier eine schöne Übung aus dem HORTOGA (Hortons HundeYoga) für dich:

Der "sich hinlegende Menschenerzieher"

Vorbereitung: Tue so, als wenn die Menschen gar nicht da sind und laufe ziellos in deiner Wohnung umher. Die Menschen sind zwar schwer zu erziehen, aber doch berechenbar.

“Platz”

Wenn einer deiner Zöglinge wieder mal seine Unzufriedenheit mit einem dahergeplapperten “Platz” ausdrückt, dann schau ihm ganz entspannt in die Augen. Bleib locker stehen und atme ganz ruhig weiter. Zeige ihm aber deutlich, dass es weitaus wichtigere Dinge in deinem Leben gibt, als “platzende” Menschen.

“Platz!"

Der Ton wird zwar etwas schärfer, aber nimm dir ruhig mal die Zeit und hinterfrage die Satzzeichen. Atme ruhig weiter und frage dich, wie sich das Ausrufezeichen wohl so alleine fühlt. Nur wenn Du geduldig bist, kannst Du eine harmonische Beziehung zu den wankelmütigen Zweibeinern aufbauen.

“Horton!Platz!”

Jetzt kannst Du die beginnende Nähe spüren. Sie nennen deinen Namen und auch das Ausrufezeichen ist nicht mehr allein. Atme ruhig weiter. An dieser Stelle kannst Du auch gerne mal zum Schein auf die frechen Forderungen der Menschen eingehen und das Gesäß leicht in Richtung Boden absenken. Ja, dass ist anstrengend, aber für einen gut erzogenen Zweibeiner lohnen sich diese Mühen.

“Hoooortoooooon!!!Plaaaaahaatz!!!

Langsam synchronisieren sich eure Schwingungen und der Zweibeiner geht in einen klagenden Singsang über. Hier ist es ganz entscheidend für den Lernerfolg, dass Du nicht nachgibst. Atme ruhig weiter und freue dich darüber, dass Satzzeichen doch offensichtlich auch Rudeltiere sind.

“Mein lieber Freund¨,wenn Du nicht gleich…”

An der Wortwahl deines Lehrlings erkennst Du jetzt deutlich die freundschaftliche Grundeinstellung zur eurer Beziehung. Genieße diesen Moment einen Augenblick lang regungslos und atme ruhig weiter. Jetzt kannst Du dich für den weiteren Übungsverlauf bequem hinsetzen.

“Das ist nicht Platz...das ist Sitz!”

Einsicht ist der erste Schritt zur Erkenntnis. Deine Menschen nehmen dich wieder wahr und fühlen mit dir diese entspannte Ruhe. Atme tief und ruhig ein und freue dich mit den Zweibeinern über das bereits Erreichte.

“Platz…nochmal sage ich das nicht!”

Nimm das schöne Versprechen deines Menschen an. Er wird das nicht nochmal sagen. Nachdem Du endgültig die Kooperationsbereitschaft deines Mitbewohners herbeigeführt hast, solltest Du dir etwas Ruhe gönnen. Leg dich hin und und atme ruhig weiter.

“Geht doch…schön", dass Du dass einrichten konntest…man man man…”

Es sprudelt jetzt vor Begeisterung nur so aus deinen Eleven heraus. Es ist nicht wichtig, dass Du jetzt bewusst zuhörst, aber nimm diese Freude in dich auf und entspanne dich noch tiefer. Atme ruhig und tief ein und aus. Lass den Erfolg und die Zufriedenheit noch etwas auf dich wirken und gehe dann wieder ziellos in der Wohnung umher.

Wichtig ist die tägliche und konsequente Wiederholung dieser Übung. Durchhalten, auch die längste Pubertät geht irgendwann vorbei.

Beim nächsten Mal zeige ich Dir, wie Du die Fütterhemmung deiner Menschen in vier einfachen Schritten abbauen kannst!

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