Die Jägerin

Die Jägerin

Unsere Fellnasen glauben ganz fest an Karma und deshalb gibt es in Hundekreisen auch eine uralte, bedeutungsvolle Weisheit:

“Jeder Hund bekommt den Halter, den er verdient!”

Ebenso abwechslungsreich wie die Hunderassen, sind auch die verschiedenen Haltertypen, die ich euch in dieser Serie vorstellen möchte.

Ich eröffne den Reigen heute mit einer sehr seltenen und exotischen Spezies.

Die Jägerin

Nach ihrer vorzeitigen Pensionierung beginnt Frau Oberstudiendirektorin mit der Suche nach einem Sinn. Fürs Töpfern zu ungeschickt und für den Chor zu laut, kommt sie schließlich auf den Hund.

Seit sie sich durch die Scheidung endgültig emanzipiert hat, sollte eigentlich kein Mann  mehr ins Haus kommen. Trotz dieser feministischen Strömungen fällt ihre Wahl –aus rein optischen Gründen- auf einen strammen Rüden. 

In einem Akt grenzenloser Selbstüberschätzung erwirbt sie einen Weimaraner, den sie in waldorfscher Tradition kindgerecht, farbenfroh und voller Hingabe zu einem selbständigen Wesen erzieht. Damit der Hund auch in ihrer Lebensphilosophie ausreichend repräsentiert wird, bezeichnet sie sich selbst als “Vegetarierin mit Wurst”.

Da die moderne Jagdwelt keine Vorurteile mehr gegen Menschen mit Menstruationshintergrund hegt, steht Frau Oberstudiendirektorin a.D. auch dieser Weg offen. Die theoretische Prüfung meistert sie mit Prädikat, aber bereits bei der Schießprüfung keimen erste Zweifel und Ängste bei allen Personen auf, die sich in Reichweite ihrer Langwaffe befinden.

Nie zuvor ist ein Prüfling mit mehr Contenance  wiederholt kläglich an der Prüfung des Grundgehorsams gescheitert. Die Prüfer sind aber beeindruckt von der Beharrlichkeit, mit der der Weimaraner jegliche Kommandos ignoriert. Jetzt fordert die Erziehung des Hundes zur Eigenständigkeit ihren Tribut! 

Nur unter dem ausdrücklichen Verzicht auf ihre andauernde und vehemente Forderung nach einer Umbenennung in “Waidfrau” oder wenigstens “WaidmannIn” erklärt die Kommission den siebten Anlauf der Prüfung für erfolgreich.

Bei ihrer ersten Drückjagd wechselt sie überraschend in den Zughundesport, als sie von ihrem Weimaraner unfreiwillig schießend durchs Unterholz gezerrt wird, weil dieser kurzer Hand das anvisierte Wild selbst erlegt. Das ist eine blutige Angelegenheit, nicht nur für ihre Knie.

Während ihrer Yogaübungen im Reihenendhaus träumt sie von einer harmonischen  Partnerschaft mit ihren Hund, die mit einem Siegerpokal beim Agility-Wettbewerb gekrönt wird. Der Weimaraner bellt dazu rhythmisch die genervten Nachbarn an.

Beim nächsten Mal erzähle ich euch vom Familienvater, der sich jetzt hauptamtlich um den –gegen seinen Willen angeschafften- Hund seiner Tochter kümmert.

 

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