Jetzt aber hoch mit dem Hundearsch!

Jetzt aber hoch mit dem Hundearsch!

Müßiggang ist aller Laster Anfang. “Sagen Sie mal Axel, was macht ihr Hund eigentlich so den ganzen Tag?”, fragt Herr Waldmüller nachdenklich über den Gartenzaun.

Herr Waldmüller verbringt den Sommer immer in seiner Gartenlaube, die auf dem Nachbargrundstück steht. Der 86jährige stammt aus einer anständigen, hanseatischen Kaufmannsfamilie und spricht das “spitze S” so spitz, dass man glaubt Helmut Schmidt stünde vor einem. Unseren Hund nennt er mit grimmigen Blick einen kläffenden Schädling, nur um ihn dann heimlich am Gartenzaun zu füttern und ihm Geschichten aus dem Krieg zu erzählen. Horton scheint das sehr zu gefallen. Zumindest lauscht er geduldig den Worten unseres Teilzeitnachbarn. Aufgrund seines eingeschränkten Hörvermögens spricht Herr Waldmüller dabei sehr laut, in der irrigen Annahme, dass ich ihn nicht hören würde. Das gilt unangenehmer Weise auch für seine altersbedingte Flatulenz, die ihm gelegentlich entfährt. Zum Glück hat mein Vater mir schon sehr früh - in Vorbereitung auf das triste Eheleben - beigebracht bestimmte Dinge einfach nicht zu hören.

“Ach wissen Sie, wenn ich ehrlich sein soll, dann gammelt Horton den ganzen Tag rum. Allerdings auf Weltniveau!”, antworte ich ehrlich, aber ebenso nachdenklich.

“So so, rumgammeln auf Weltniveau.”, nickt Herr Waldmüller lächelnd.

Jetzt geht’s los

Das kann ja so nicht weitergehen denke ich mir und recherchiere im Internet, wie man denn seinen Hund am besten beschäftigen kann.

“Zieh’ dich schon mal warm an mein Freund!”, warne ich meinen haarigen Kumpel vor. Gähnend nimmt er diese Ansage zur Kenntnis.

Welche Möglichkeiten, meinen Hund sinnvoll auszulasten, habe ich denn nun? Die Ergebnisse meiner intensiven Suche kann man grob in drei Kategorien unterteilen:

  1. operative Hektik
  2. kontrolliertes Chaos
  3. konstruktives Durcheinander

Ein ganz wesentliches Element scheint hier die Stimme zu sein. Die meisten Profis raten mir dazu beim Training zu kreischen wie eine pubertierende Manga-Figur mit ADHS. Das wirkt zunächst befremdlich, aber wenn es hilft.

So, jetzt wird stramm ausgelastet

Bewaffnet mit einem gefüllten Futterbeutel und kreischend animiere ich den Schläfer zu einigen Jagdspielen. Horton schleicht im Kreis um mich herum und fragt sich, welcher Dämon wohl in mich gefahren sein könnte. Irgendwann willigt er in das Spiel ein und hetzt den Beutel durch unseren Garten. Je länger wir spielen, desto wilder wird mein Vierbeiner. Mit heraushängender Zunge und irrem Blick erwartet er zitternd den nächsten Wurf.

Nachdem ich den Futterbeutel zur Belohnung geöffnet habe, schlingt Horton die gesamte Portion gierig herunter und fällt cortisolgeschwängert auf die Seite, wo er seinen gesamten Mageninhalt erbricht. Bei diesem Anblick platzen alle meine Träume von tollen, trickreichen Hundevideos auf YouTube und schlauen Anmerkungen beim Wetteifern der Hundehalter.

Das Spiel ist aus

Ich habe mich entschieden nicht den letzten Rest Hund aus Horton herauszustressen. Er ist, wie er ist und so wird es auch bleiben. Ich habe den Verdacht, dass er viel besser weiß, was gut für ihn ist, als ich es jemals wissen werde. Auch die Belehrungen anderer Hundehalter, was ich denn alles im Umgang mit meinem Hund falsch machen würde, interessieren mich nicht mehr. Horton weiß ganz genau wie es funktioniert. Ich nehme ihn ernst und behandle ihn mit Respekt. Tja, ohne es zu erwarten, gibt er genau das zurück. Damit geht’s uns und Herrn Waldmüller richtig gut!

 

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