Vorurteile im Zusammenleben von Mensch und Hund - Teil 3

Vorurteile im Zusammenleben von Mensch und Hund - Teil 3

Heute präsentieren wir euch den dritten Teil der Reihe "Vorurteile im Zusammenleben von Mensch und Hund. Geschrieben von der H24 - Die Hundeschule für Zwei- und Vierbeiner. Vielen Dank an Steffi für ihre tollen Berichte! 

„Es geht auch anders“

Es geht immer anders, aber es ist fraglich ob es etwas bewirkt. Wenn man mit jemandem über sein Training mit seinem Hund spricht wird man des Öfteren darüber belehrt wie man es besser machen könnte. Es gibt sehr viele Varianten des Trainings und viele Verfechter von der einen oder anderen Richtung. Sicher ist, dass man selbst seinen Hund am besten kennt. Sicher ist aber auch, dass anderen so manche Möglichkeit auffällt, die wir nicht gesehen hätten. Jeder Hund ist individuell und ebenso sind auch seine „Bedingungen“ an ein gutes Training. Bei dem einen Hund reicht es den Clicker und das Futter auszupacken und bei einem anderen sind klare Regeln und ein striktes Durchhalten von Nöten. Wir sollten uns die Ratschläge anderer anhören, ohne uns gleich bevormundet zu fühlen und dann letztendlich selbst entscheiden, ob das Training zu unserem Hund passt oder eben nicht.

Moderne Hundeerziehung

Da kann man sich zunächst erstmal fragen „was ist modern?“. Als modern bezeichnen wir meist das neueste vom neuen. Modern bedeutet aber auch nicht automatisch, dass etwas gut, besser und für alles anwendbar ist. Es gibt jedes Jahr eine neue Frisur, neue Kleider und neue Möbel welche als modern gelten und dennoch muss nicht jeder neue Haarschnitt jeder Frau stehen. Wie schon unter „es geht auch anders“ geschrieben, ist jeder Hund ein Individuum und genauso wenig wie jeder Frau der neue Haarschnitt steht, passt jede moderne Erziehungsmethode zu jedem Hund.

Unterordnung

Ebenso wie Dominanz ist auch Unterordnung eines der unbeliebtesten Worte bei Hundebesitzern. In unserer heutigen Welt kann es durchaus fatale Folgen haben, wenn der Hund meint das „Rudel“ beschützen zu müssen. Wichtig ist ihm daher zu verstehen zu geben, dass dies nicht seine Aufgabe ist und das Beschützen und Versorgen Aufgabe des Menschen ist. Dabei kommt die Unterordnung zum Tragen. Der Mensch sollte die relevanten Entscheidungen treffen und seinen Hund führen. Ein Hund der sich unterordnet und seinem Menschen die Führung überlässt, sieht keinen Grund alle Entscheidungen zu treffen und mit seiner Sprache auf Probleme in der Menschenwelt zu reagieren. So können wir unsere Hunde vor Maulkorb und Leinenpflicht, Tierheim oder sogar dem schlimmsten aller Varianten, der Spritze beim Tierarzt, bewahren.

Gehorsam

Wie auch bei Disziplin ist Gehorsam mit negativen Auffassungen verbunden. Dabei kann ein Hund mit einem guten Gehorsam jede Menge Freiheiten genießen und seinen Bedürfnissen nachgehen. Ein Hund der zuverlässig abrufbar ist kann oft ohne Leine laufen, sich auspowern und muss nicht mit einer nervigen Schleppleine vorlieb nehmen. Zudem beeinträchtigt ein gut aufgebautes Training den Hund in keiner Weise und es macht vielen Hunden auch noch Spaß etwas neues zu lernen. 

Ignorieren

Ignorieren kann im Hundetraining von Vorteil, aber auch von Nachteil sein. Wenn das Ziel des Hundes die Aufmerksamkeit des Menschen ist, ist dies die beste Trainingsvariante. Wenn ein Hund einem Kaninchen nachhetzt und damit seinem Jagdvergnügen nachgeht, kann man sich mit ignorieren einen fleißigen Jäger heranziehen. Jagdverhalten ist selbst belohnend und sollte damit nicht ignoriert werden. Das selbe gilt auch für andere unerwünschte Verhaltensweisen, die dem Hund ungewollten Erfolg bringen. Verhalten womit man leben kann und die einem egal sind, kann man auch ignorieren. Ob man seinen Hund ignorieren sollte oder nicht kann man an nur ein paar Fragen festmachen: Möchte ich dieses Verhalten (nicht)? Bekommt mein Hund Erfolg mit dieser Handlung? Kann ich mit diesem Verhalten leben? 

Gewaltfrei

Ab wann ist eine Erziehungsmethode gewaltfrei? Keine Frage bringt so viel Diskussionsstoff mit wie diese. Althochdeutsch bedeutet Gewalt „stark sein, beherrschen“. Nach einer allgemeinen Definition stellt Gewalt alle Handlungen, Vorgänge und soziale Zusammenhänge dar, durch die auf Menschen, Tiere und Gegenstände beeinflussend, verändernd oder schädigend eingewirkt wird. Wenn man diese Definition auf unseren Alltag mit Hund bezieht könnte man zu dem Schluss kommen, dass jede Handlung oder auch Nichthandlung Gewalt darstellt. Denn wir beeinflussen unseren Hund jeden Tag die ganze Zeit solange er bei uns ist. Schlussendlich kann diese Definition also nicht zu 100 % auf jede Situation im Alltag angewendet werden. 

Konditionieren

Konditionieren beschreibt einen Vorgang im Lernverhalten des Hundes. Dabei wird zwischen einem Reiz und einer Reaktion eine Verknüpfung erstellt. Ein gutes Beispiel ist dabei der Clicker. Durch Click-Futter, Click-Futter, Click-Futter wird das Geräusch mit Futter verknüpft. Dasselbe Prinzip gibt es auch auf ungewollte Art und Weise. Wenn wir den Hundenapf füllen lernt unser Hund, dass diese Geräusche das nachfolgende Fresschen ankündigen. Wenn wir Jacke und Schlüssel nehmen weiß unser Hund, dass wir gleich Gassi gehen. Daher kann man diesen Begriff nicht als schlechtes Wort im Hundetraining bezeichnen, denn es stellt nur einen Teil des Lernverhaltens unserer Hunde dar.

Vermenschlichung

Im Grunde habe ich nichts dagegen, wenn man seinen Hund wie einen Menschen behandelt und mit ihm redet und ihn überall mit hinnimmt. Jedoch dürfen wir dabei nicht vergessen, dass der Hund ein Tier ist und eine andere Sprache spricht als wir und eine Struktur mit Regeln benötigt um sich wohl zu fühlen. Seine Körper- und Lautsprache ist eine ganz andere, als wie wir Menschen miteinander umgehen. Dazu kommt noch der Informationsaustausch über Gerüche und der Körperkontakt. Die für den Hund nötige Struktur sollten wir dabei auch nicht vergessen, denn ohne diese bringen wir unseren Hund nur in Stress und Zwang diese Verpflichtung zu übernehmen.

Als ich mir über diese Begriffe so meine Gedanken gemacht habe kam ich zu dem Schluss, dass vieles einfach nur von unserem eigenen Verständnis abhängt und inwieweit es zu dem jeweiligen Hund passt. Egal wie wir etwas definieren ist das einzig wichtige, dass wir dem Hund und unserer Beziehung zu ihm nicht schaden.

Jagdhund Liegend

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