Welpenkauf - das Geschäft mit den armen Fellnasen

Welpenkauf - das Geschäft mit den armen Fellnasen

Hallo ihr Lieben, heute wende ich mich mit einem Thema an euch, das mir persönlich sehr am Herzen liegt, daher wird der Beitrag wohl auch vielmehr eine persönliche Bitte als ein Quell der Information.

Vieles wird den meisten von euch schon bekannt sein – aber heute habe ich leider wieder gesehen, wie schnell die Gutgläubigkeit der Menschen, insbesondere der Hundeneulinge ausgenutzt wird. Dazu möchte ich euch eine kleine Geschichte erzählen, die mir leider heute so passiert ist und mich einfach nicht mehr los lässt.Vielleicht kann ich ja den einen oder anderen Hundeanfänger die Augen beim Welpenkauf besonders gut offen zu halten.

...das miese Geschäft mit den Welpen

Frau Müller hat einen neuen Mitbewohner. Sie hat sich bei einer „liebevollen Hobbyzucht“ einen kleinen Pudelwelpen gekauft. Den Welpen hat sie selbst abgeholt, die Wohnung der „Züchterin“ sah ordentlich und gepflegt aus – die Mama der drei Welpen waren auch da. Sie sah zwar irgendwie nicht so ganz nach Pudel aus, aber die Dame versicherte ihr, dass die Welpen reinrassig sind.

Auf jede Frage wusste die „Züchterin“ eine Antwort: Die Schuppen kommen vom Stress, das ist normal bei Welpen. Geimpft sind die Welpen natürlich – einen Impfpass gibt es selbstverständlich auch. Und 10 Wochen sind sie auch schon, das Geburtsdatum schreibt sie Ihnen auch noch mal auf, weil der Tierarzt wohl vergessen hat, es im Impfpass einzutragen. Futter und eine Decke bekommen die Kleinen natürlich auch mit, damit es ihnen im neuen Zuhause auch gut geht. Selbstverständlich sind die Kleinen gesund, waren ja gerade beim Tierarzt.

Was so beim Lesen auf den ersten Blick gar nicht so seltsam erscheint – und gerade wenn man den kleinen Flauschewelpen auf dem Arm hat noch viel glaubwürdiger wirkt – hinterlässt irgendwo zwischen Zwerchfell und Hals ein mulmiges Gefühl. Diesen kleinen Flauschewelpen hatte ich nun also auf dem Arm: Ein kleines Würmchen und so ganz anders als all die großen wuseligen Welpen mit denen ich sonst so zu tun habe. Schüchtern und vollkommen überfordert mit allem und jedem, nur versuchend, sich in meiner Bluse zu verstecken. Als dann all das „ohwiesüß“ und „achgottistderflauschig“ in meinem Kopf abgeklungen war und die Sprache auf die schuppige Haut des Babys kam, schaute ich mir den kleinen mal genauer an. Die Schnauze war noch ganz „meerschweinig“, er purzelte mehr als zu laufen und die Augen waren noch Baby blau und wässrig. Zudem war der ganze Hund voller Schuppen.

Da stimmt was nicht

Mir kam der böse Verdacht, dass der Knirps nicht viel älter als 6 Wochen war – und bei der „Züchterin“ einiges im Argen lag. Ein Besuch beim Tierarzt bestätigte meinen schlimmen Verdacht und ließ Frau Müller aus allen Wolken fallen. Der Welpe war, wenn überhaupt, gerade mal 6 Wochen alt, hatte Milben und Würmer und war zu allem Überfluss auch nicht gechippt. Frau Müller hatte nun den Salat und muss neben den nachträglichen Kosten für Entwurmung und chippen nun auch noch die große Aufgabe tragen, dem kleinen so gut es geht die Sozialisierung zukommen zu lassen, die er eigentlich von der Mutter und den Geschwistern hätte bekommen müssen. Die Spätfolgen sind bisher nicht abzusehen und können von „alles ist gut“ bis hin zu „totale Unverträglichkeit mit Hunden“ alles sein.

Darum also meine Bitte: AUGEN AUF beim Welpenkauf. Glaubt nicht alles was euch gesagt wird – lasst euch Dokumente zeigen (Impfpass, Geburtsurkunde, Gesundheitsuntersuchungen der Eltern). Auch bei einem Ups-Wurf gibt es einen (EU)Impfpass in dem ein Geburtsdatum (!) und eine Chipnummer(!) stehen müssen. Dieser EU-Impfpass kostet unter 20 Euro und sollte jedem „Züchter“ das Geld wert sein.

Holt den Welpen IMMER selbst ab. Wenn mehr als ein Wurf Welpen da ist – lasst es sein. Und ganz, ganz wichtig: Welpen müssen MINDESTENS 8 Wochen bei ihrer Mama bleiben dürfen. Keinen Tag weniger – so steht es auch in der Tierschutzhundeverordnung (§2), alles andere ist Tierschutzwidrig. Die einzige Ausnahme gibt es, wenn der gesundheitliche Zustand des/der Welpen oder der Mutterhündin eine frühe Trennung notwendig machen. Auch ein Urlaub der Züchterin ist kein Grund einen Welpen eine Woche früher abzugeben! ALLE Welpen müssen gechippt sein oder werden – ein seriöser Züchter übernimmt das Chippen genauso wie die erste Impfung und das Entwurmen. Diese Chipnummer wird später benötigt um den Hund bei der Steuer und der Versicherung anzumelden. Wenn euch etwas komisch vorkommt, fragt nach. Wenn es euch nach der Erklärung des „Züchters“ (sofern es eine gibt) immer noch seltsam vorkommt, schlaft noch eine Nacht drüber und lasst es im Zweifelsfalle sein.

Alarmpunkte bei denen man im Zweifel lieber „Nein“ sagt sind IMMER der Welpe wird gebracht.

  • Übergabe in der Mitte/auf einem Parkplatz/Raststätte 
  • Die Mutterhündin ist nicht anwesend
  • Es gibt mehr als einen Wurf. Die Welpen haben keinen Impfpass
  • Im Impfpass steht kein Geburtsdatum. Die Welpen sind nicht gechippt/geimpft
  • Die Welpen sind deutlich jünger als 8 Wochen (blaue, glasige Augen, tapsiger als normale Welpen, ggf. noch auf Muttermilch angewiesen) 
  • Die Welpen sind krank / ungepflegt
  • Züchter ist gereizt, will keinen Kontakt, macht Verkaufsdruck 
  • Der Welpenpreis ist außergewöhnlich hoch (mehr als 1800€ für Tiere mit Papieren, mehr als 500€ für Tiere ohne Papiere, ohne hierfür einen guten Grund zu nennen, z.b. Deckrüde aus dem Ausland oder hochwertiges Futter etc.) oder außergewöhnlich niedrig (weniger als 300€) 

Denn auch, wenn wir sie am liebsten alle „freikaufen“ würden, rückt für jeden Welpen der Gelder bringt ganz schnell einer nach. Bitte seid vorsichtig. Die „Welpenmafia“ ist ein riesiges Geschäft und immer schwieriger als solche zu erkennen. Aus Kofferraumverkäufen sind inzwischen oft ganz normale „Ups-Würfe“ geworden – die aber genauso aus Zuchtfabriken kommen, wie die Kofferraumwelpen. Wer so einen Verdacht hat, darf und sollte diesen unbedingt bei der Polizei und dem Tierschutz melden! Informiert euch gründlich! Züchter wissen viel, aber sie sind auch nur Menschen und können nicht alles wissen. Eine zweite, dritte oder vierte Meinung kann nie schaden. Nehmt beim Welpenkauf eine zweite Person mit, die einen kühlen Kopf bewahrt - damit es nicht noch mehr Welpen geht, wie dem armen kleinen Pudel von Frau Müller.

Danke fürs Lesen. Kaddie

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