Die Buschfrau!

Die Buschfrau!

Mein Name ist Axel Löwenstein. Ich bin 44 Jahre alt und lebe mit meiner Frau und meinem Hund in der Nähe von Hamburg.

Ich habe mich für den Weg „Blogger ohne Blog“ entschieden, weshalb ich mich natürlich sehr auf Gastbeiträge fokussiere.

Mein heutiger Gastbeitrag handelt von Hundebegegnungen, die oft eine Begegnung der dritten Art sein können. Mal ist es der eigene Hund, der einem die Schamesröte ins Gesicht treibt, mal ist es der andere Hund oder dessen Halter, aber irgendwas ist immer.

Seltsame Entdeckung

Mit Horten im Schlepptau wandeln meine Frau und ich durch Wiesen, Felder und Auen, als wir plötzlich in einem Gebüsch etwas Seltsames entdecken. Bei genauerer Betrachtung stellt sich dieses undefinierbare Objekt als ein pussierliches Kleinod unserer heimischen Fauna dar: Die Buschfrau!

Meine Frau hatte mir schon mehrfach von dieser putzigen Begegnung berichtet, aber bisher hatte ich die Buschfrau jedoch für ein Fabelwesen gehalten.

„Das ist die Frau, die immer einen riesigen Bogen um uns macht, wenn sie mit ihrem Hund unseren Weg kreuzt“, flüstert meine Frau mir zu.

„Warum macht die das?“, frage ich irritiert zurück.

Meine Frau quittiert meine Frage mit einem Schulterzucken.

In dem Gebüsch vor uns steht noch immer eine Frau mit einem  weißen West Highland Terrier an der Leine und tut so, als würde sie uns nicht sehen.

„Hallo, geht es Ihnen gut?“, rufe ich freundlich in das Gebüsch. So muss es sich angehört haben, als Robinson Crusoe das erste Mal mit Freitag gesprochen hat.

„Meinen sie mich?“, tönt es zaghaft aus den Sträuchern.

Grinsend hole ich Luft und setze zu einem Feuerwerk des Zynismus an. Diese Steilvorlage muss ich einfach volley nehmen und im Netz versenken. 

Aufgrund von seherischen Fähigkeiten und leidvollen Vorerfahrungen reißt meine Frau mich mit einem beherzten Klaps auf den Hintern aus diesem Gedanken. Dass dieser Klaps nicht sexuell motiviert ist, zeigt mit ihr ergänzender Blick mehr als deutlich. Eine Warnung, die ich sofort verstanden habe.

Wir haben Kontakt

„Kommen Sie doch mal bitte aus den Büschen heraus, dann können wir uns besser unterhalten“, sage ich brav und bemerke dabei das zufriedene Lächeln meiner Gattin. 

„Aber bitte vorsichtig, sonst passiert der Kröte noch was, auf der sie die ganze Zeit schon rum stehen“

„Nein wirklich?“, schreit die Buschfrau und beginnt mit einem lustigen Tanz, der mich irgendwie an Rumpelstilzchen erinnert.

Nach dem zweiten Klaps höre ich dann auf zu lachen. Der tat weh!

„Ich möchte hier eigentlich nicht so gerne raus, weil ihr Hund so aggressiv ist“ erklärt Rumpelstilzchen.

Meine Frau und ich sehen uns ungläubig an und schauen auf unseren friedfertigen Rüden, der sich in Erwartung einer neuen Bekanntschaft  schon mal in Stimmung wedelt. Er ist in seinem jugendlichen Überschwang sicherlich sehr stürmisch und etwas zu verspielt, aber aggressiv ist er keineswegs.

„Hat der Rabauke Ihnen schon mal Ärger gemacht?“, frage ich in den Busch hinein.

„Das nicht direkt, aber er könnte das schon“, antwortet die Buschfrau ängstlich.

Der Hundemacker

So langsam begreift Horton, was hier eigentlich los ist und beginnt den anderen Hund zu fixieren. Er steigert dabei langsam seine Körperspannung und ein deutlicher Zug ist auf der Leine zu spüren.

Sein Gesichtsausdruck spricht Bände: „Ey Du Opfer!“

Die gemeine Buschfrau zeichnet sich durch einen starken Fluchtreflex aus, den dieses Exemplar offensichtlich an ihren Hund weitergegeben hat. Der zieht jetzt schon ganz ordentlich in die entgegengesetzte Richtung.

Nimm es nicht persönlich Horton, aber selbst der dämlichste Hund würde spätestens jetzt Morgenluft wittern und die Chance ergreifen, auch mal seine Dominanz zu beweisen.

Ich versuche dem sonderbaren Geschöpf im Busch zu erklären, dass wir hier kein „Hundeproblem“ haben und ihr ängstlich devotes Auftreten dazu beiträgt zur Zielscheibe zu werden. Weil ich dabei rede, wie die ersten Siedler mit den Indianern fange ich mir den nächsten Klaps. Immer auf die gleiche Stelle. Wie fies ist das denn? Wenn man das sauber verteilt, kann ich wenigstens als Pavian zum Karneval gehen. 

Während ihrer Prügelattacke sieht meine Frau aus wie ein Hobbit, der einen richtig dicken Fisch an der Angel hat. Unser Hund zeigt sich von seiner besten Seite und wirft sich derart forsch in die Leine, dass er sich fast selbst erwürgt. Als würde das noch nicht ausreichen zieht er röchelnd in Richtung Opfer-Westi. Selbst wenn man Horton gut kennt und mag, sieht das im Moment nicht wirklich vertrauenerweckend aus.

Nix wie weg

Ihrem natürlichen Fluchtinstinkt folgend springt die Buschfrau nebst Gefolge jetzt in das nächstgelegene Gestrüpp, das ihr ausreichend Deckung verspricht. Wenn man Brombeeren mag ist das durchaus eine Alternative. Die pieksenden Dornen finde ich persönlich aber eher störend.

Das findet die Buschfrau auch und beginnt mit einem neuen Tanz. Ich erkläre meiner Frau lachend, dass es sich bei diesem seltenen Naturschauspiel um den rituellen Opfertanz des Buschfrau-Weibchens handelt und fange mir dafür den nächsten Klaps auf den Hintern. Wieder die gleiche Stelle. Ich finde, man sollte kulturelles Desinteresse nicht mit Gewalt ausdrücken. Wie undankbar!

Als Höhepunkt der Aufführung verfängt sich das tanzende Weibchen in der Hundeleine und fällt der Länge nach in den Morast. Das war wirklich mutig, denn ich als bekennendes Weichei hätte versucht den Sturz mit den Händen abzufangen. Eine Buschfrau benutzt dazu ihr Gesicht.

Voller Anerkennung raune ich: „Ah, ein doppelter Axel!“, wobei ich schon mal präventiv einen Schritt zur Seite gehe. Hilft nichts. Klatsch! Den hab ich mir aber auch redlich verdient.

Ende gut alles gut

Das Antlitz der Buschfrau gleicht jetzt einer Moorpackung, die sich in Wellnesskreisen großer Beliebtheit erfreut. Genau genommen sieht sie jetzt aus wie ein unfreiwilliger Angehöriger der Aborigines. Nachdem Frau Buschfrau ihre Fassung wiedererlangt hat, eilt sie mit ihrem Schützling wortlos davon und verschwindet im Dickicht. Es klingt, als würde ein Hirsch durchs Unterholz brechen und ich hoffe sehr, dass nicht ausgerechnet heute der berüchtigte Jäger mit der eingeschränkten Sehkraft in seinem Hochsitz lauert.

Horton hat sich inzwischen wieder beruhigt und schaut der flüchtenden Beute fast mitleidig hinterher. Ich hoffe, dass er etwas aus diesem beeindruckenden Erlebnis gelernt hat.

Ich für meinen Teil habe an diesem Sonntag eine entscheidende Botschaft verstanden:

Wenn Du nur 25 Shades of Grey haben kannst, dann nimm immer die Hälfte ohne Haue!

Diese Geschichte ist selbstverständlich frei erfunden. Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen wären somit natürlich eine merkwürdiger Zufall!

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