Müssen es 4 Stunden pro Tag sein?

Müssen es 4 Stunden pro Tag sein?

Als ich Kaddies Artikel gestern zum ersten Mal gelesen habe, dachte ich: "Das gibt eine Diskussion!" - Aber genau das darf es ruhig geben, denn die Meinungen gehen bezüglich der Auslastung des Hundes mehr als weit auseinander. 

Hallo ihr Lieben, wie ihr alle wisst, bin ich ja mit einem Hütitüti - also einem Hütehund – gesegnet. Da ich oft gefragt werde, wie ich bei einem Vollzeit-Job denn „so einen Hund“ auslasten könne, möchte ich euch mal ein bisschen aus unserem Alltag erzählen. Gerade letztens traf ich beim Gassigehen eine Labbi-Besitzerin und kam mit ihr ins Gespräch. Die Labbydame „Nelly“ war ihr erster Hund und natürlich wollte sie alles richtig machen und dafür sorgen, dass es Nelly so gut wie irgendwie möglich geht.

Ich habe es im Forum gelesen

Dazu gehört natürlich auch, dass Nelly „gut ausgelastet“ ist. Das habe sie ja in Foren gelsen, dass ein Hund viel Zeit braucht und mehrere Stunden am Tag spazieren gehen müsse – aber sie wisse gar nicht, wie andere das schaffen würden: Morgens eine Stunde, mittags zweieinhalb Stunden und abends auch nochmal eine Stunde. Dazu natürlich Dummytraining – man hat sich ja einen Jagdhund ins Haus geholt – und wenn sie mal nicht so viel Zeit hat, hat sie ein furchtbar schlechtes Gewissen. Frau Hund würde dann ja auch ungeduldig werden, wenn sie nicht so viel Auslastung bekäme.

Wie sieht das eigentlich bei dir aus

Als sie mich dann fragte, wie ich das denn schaffen könne, wo so ein Hütehund ja locker 4 Stunden Gassi gehen kann war sie ziemlich verdutzt, als ich von unserem Alltagsleben erzählte. Unser Alltag ist nämlich genaugenommen ziemlich langweilig für den Hund. Aber ich will von Anfang an anfangen: Mila war als Welpe ziemlich ätzend, unkonzentriert, bissig und permanent hochgedreht. Die „drolligen-5-Minuten“ die wir alle von Welpen kennen (wo verrückt umher gerannt, gekläfft, geschnappt und herumgealbert wird) hatte sie 24 Stunden am Tag.

Manchmal geht es eben nicht anders

Eine fiese Infektion hat mir damals quasi meine Nerven gerettet: Während andere Hunde lernten, wie man „Sitz“ und „Platz“ macht, hat Mila nun also die ersten Wochen nichts anderes zu tun gehabt, als zu lernen wie man „Ruhe hält“ – sich also hinlegt und schläft oder sich mit sich selbst beschäftigt – weil Frauchen leider das Bett maximal für kurze „Welpen-Pipi-Runden“ oder mal einen kurzen Spaziergang verlassen konnte. Nach einer bösen Erfahrung in einer Hundeschule gab es Kontakt auch nur noch zu ausgewählten, sozialisierten Welpen und unter Aufsicht. Damals tat mir mein kleiner Mila-Welpe furchtbar leid – ich hatte ein unfassbar schreckliches Gewissen, weil ich ja überall gelesen habe, dass man Welpen gerade in der Babyzeit fördern und fordern muss und Sozialkontakte essentiell wichtig sind.

Rückblickend war es aber das Beste, was uns passieren konnte: Durch die Tatsache, dass Mila lernen musste, dass in der Wohnung nichts Spannendes passiert, hab ich inzwischen einen vollkommen entspannten Hund, wenn wir Zuhause sind, ohne dass ich sie erst „runterbringen“ muss. Wohnzimmertür zu und sie legt sich zum Schlafen hin. Als ich wieder gesund war, haben wir natürlich auch zusammen die Welt entdeckt und lange Spaziergänge gemacht, aber die Tatsache, dass nicht jeden Tag etwas Aufregendes passiert, ist tief im Mila-Gehirn verankert. Das Resultat daraus: Auch wenn mal zwei, drei Tage nicht mehr als 30 Minuten Pipi-Runden passiert, verfällt sie nicht in eine Erwartungshaltung oder hüpft mir an die Decke. Und das erleichtert uns sehr den Alltag. Es ist nämlich so, dass Mila durchaus 4 Stunden Gassi gehen könnte – auch 6 oder 8 Std. wären kein Problem – es aber nicht braucht.

Am Wochenende ist Spaß angesagt

Unter der Woche passiert tatsächlich genau das: Wir gehen vor der Arbeit eine Pipi-Runde, in der Mittagspause dann 45 Minuten und nach der Arbeit nochmal 10 Minuten um den Block. Manchmal bleibt sie auch daheim, und statt 3 Runden gibt es dann morgens eine lange und Abends einmal um den Block. Dafür ist das Wochenende bei uns umso spannender: Auf Hundetreffen, Wanderungen, Radtouren oder beim Wassersport kommt Mila ganz auf ihre Kosten und wer Mila und mich kennt, weiß, dass sie kein unglücklicher Hund ist – im Gegenteil, sie ist fröhlich, munter und für jede Schandtat zu begeistern.

Außer einigen „Arbeitstieren“ kenne ich übrigens auch keinen Hund, der wirklich so viel Spazieren gehen braucht, denn zwischen „er macht es mit“ und „er braucht es“ ist ein meilenweiter Unterschied. Mila würde auch 12 Stunden wandern, wenn ich es verlange – ihr reicht eine Stunde aber vollkommen. Was natürlich nicht heißt, dass 3x täglich 15 Minuten um den Block ausreichend ist – in Ausnahmefällen (Krankheit etc.) in Ordnung, aber über Wochen und vielleicht sogar Monate eindeutig zu wenig.

Selbstverständlich ist es schön, wenn man möglichst viel Zeit mit seinem Liebling verbringt und verbringen kann (im Urlaub und wenn die Zeit es zulässt sind wir auch unter der Woche stundenlang gemeinsam am Umherstreifen) aber wenn es aus welchen Gründen auch immer mal für einige Tage nicht möglich ist, dem Hund ein „4-Stunden-Action-Programm“ zu bieten, sollte niemand ein schlechtes Gewissen haben müssen – und sich schon gar nicht in irgendwelchen Foren eins einreden lassen.  

Auch Kopfarbeit ist möglich

Außerdem kann man seinen Hund auch mit Kopfarbeit auch ganz wundervoll Zuhause beschäftigen. Es gibt tolle Suchspiele, Intelligenzspielzeug und viele Tricksachen und anderen Spaß, den man gemeinsam mit dem Hund trainieren und üben kann. Die Arbeit mit dem Kopf ist für unsere Fellnasen eine willkommenen Abwechslung und auch kurze Einheiten sind ziemlich anstrengend. Also, wie bei vielen anderen Themen rund um den Hund - die ausgewogenen Mischung und ein bisschen Fingerspitzengefühl machen es. Und nicht vergessen - es muss zum Hund und zu euch passen! 

Hundmuede

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