Vorurteile im Zusammenleben von Mensch und Hund - Teil 2

Vorurteile im Zusammenleben von Mensch und Hund - Teil 2

Letzte Woche haben wir mit dem ersten Teil von Vorurteile im Zusammenleben von Mensch und Hund begonnen. Heute kommt der zweite Teil und wir sagen wieder DANKE an die H24 - Hundeschule und Steffi.

TEIL 2

Hundetrainer (Cesar Millan, Clarissa von Reinhardt, Ute Blaschke Berthold…)

Man hört sehr viele unterschiedliche Meinungen zu Hundetrainern und ihren Erziehungsstilen und Verständnissen. Die einen bevorzugen nur die positive Verstärkung und nutzen auch nur diese. Wieder andere bezeichnen die positive Verstärkung als Wattebauschmethode und geben ihr Wissen auf eine andere Art weiter. 

Ich denke das ist viel der Problematik der uneinheitlichen Ausbildung und Prüfung geschuldet. Es gibt unterschiedliche Schulen, Akademien, unterschiedliche Prüfstellen und bei keiner gibt es ein einheitliches Konzept. Daher müssen Hundehalter auf ihr Bauchgefühl hören und die für sich richtige Richtung selber finden. Zudem ist jeder Hund anders, hat dementsprechend andere Voraussetzungen an Halter und Trainer und demzufolge muss für jeden Hund und auch jeden Halter eine andere Methode gewählt werden. Man kann nicht sagen nur die Trainer, die mit positiver Verstärkung arbeiten, sind richtige Trainer. Vielleicht ist auch gerade das der falsche Weg für diesen einen Hund. Man kann auch nicht sagen, dass nur die „Härteren“ die richtigen Trainer sind. Denn auch da kann der gewählte Weg der Falsche sein.

Das einzig Wahre ist die Suche nach dem Weg für dieses eine Mensch-Hund-Gespann.

„Die klären das unter sich“

Wer hat diesen allseits beliebten Satz nicht schon gehört? Das Problematische an diesem Satz ist, dass er je nach Charakter des Hundes stimmen und auch nicht stimmen kann. Hunde müssen um Selbstvertrauen und Erfahrung zu sammeln Konflikte selber lösen. Die Frage die sich da allen Hundehaltern immer und immer wieder stellt ist: „An welchem Punkt muss ich eingreifen?“. Zu 100 % kann man dies leider nie sagen. Es gibt ängstliche Hunde wo man eingreifen muss, sobald ein anderer Hund nur angerannt kommt und es gibt Hunde die bei einem Vollspeedhund oder einem anrempeln noch entspannt bleiben. Wichtig dabei ist, dass man sich die gesamte Situation, dessen Spannung und die Körpersprache der Hunde genau ansieht.

Momente in denen man aufpassen sollte, sind frontal ausgerichtete Hunde, das Erstarren eines Hundes worauf ein Angriff folgen könnte, genauso bei einem Erstarren mit eingezogener Rute und die T-Stellung, bei der ein Hund den anderen in seinem weiterlaufen einschränkt. 

Hundeschule

Auch die Hundeschule wurde mit genannt. Leider wird fälschlicherweise oft gedacht, dass der Besuch einer guten Hundeschule völlig ausreichend ist und es danach mit dem Hund wie geschmiert läuft. In der Realität ist es so, dass Hunde sich den Unterschied sehr schnell merken, ob man auf dem Hundeplatz ist oder in der sonst üblichen Trainingsgegend oder sogar ob ein Trainer dabei ist. Um wirklich Erfolg zu haben sollte der Übungsort gewechselt und auch selbstständig geübt werden. Denn wir möchten doch, dass unser Hund auf uns hört und durch uns motiviert wird und nicht durch die Anwesenheit eines Trainers.

„Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse“, „wissenschaftlich belegt“

Immer diese Wissenschaft! Die sogenannten wissenschaftlichen Erkenntnisse sind meist nur die Ergebnisse von jahrelanger Beobachtung oder Versuchen/Stichproben mit einzelnen Individuen, die so oft durchgeführt wurden, dass man danach auf die Allgemeinheit schließt. Sie gibt aber kein allgemeingültiges Patentrezept welches Produkt, welche Methode in bestimmten Situationen das/die beste ist. In den meisten Fällen kann man die Erkenntnisse als Richtlinie wahrnehmen.

Tierschutzhund

Wer kennt diese typische Hundewiesensituation nicht? „Woher hast du deinen Hund?“ - „Meiner ist aus dem Tierschutz/Tierheim.“ - „Oh, oh“….und letztendlich steht man auf einmal alleine da und fragt sich warum.

Leider halten sich die meisten auf einmal fern, wenn sie hören man habe einen Tierschutzhund. Tatsache ist leider das viele Hunde aus dem Tierschutz eine kleine Baustelle haben (Artgenossenaggression, Menschenaggression, Angst, mag keine Kinder, mag keine anderen Tiere, kann nicht alleine bleiben und und und) und daran gearbeitet werden muss, wenn es nicht anders zu managen ist. Andererseits gibt es auch viele Hunde die nur im Tierheim sind, weil ihre Menschen keine Zeit mehr hatten, umgezogen sind, eine Allergie bekommen haben oder die Ansprüche des Hundes an Beschäftigung und Auslastung einfach zu hoch für den Menschen waren. Aber ansonsten sind diese Hunde 1a sozialisiert und verstehen sich mit jedem. 

Also bedeutet Tierheimhund nicht gleich schlechter Hund, sondern nur, dass der Hund bisher kein großes Glück hatte.

Welpenschutz

Auch noch weit verbreitet ist die angebliche Narrenfreiheit der kleinen niedlichen Welpen. Einen regulären Welpenschutz gibt es nicht, außer in der eigenen Familie. Weder Wolf noch Hund dulden in ihrem Bereich einen Futterkonkurrenten, der nicht ihre Gene trägt. 

Clicker

Bei dieser Nennung könnte man sich die Frage stellen: „Warum wird der Clicker mit etwas negativem assoziiert?“. Wahrscheinlich weil der Clicker als ultimatives Sinnbild für die positive Verstärkung im Hundetraining steht. Der Clicker ist eigentlich ein wirklich gutes Hilfsmittel im Hundetraining und auch ich nutze ihn sehr gern. Man kann Verhalten formen (auch Shaping genannt), auf Distanz loben und auch Verhaltensprobleme beheben. Leider hat auch er seine Grenzen und manipuliert so manches natürliche Verhalten des Hundes. Nicht jeder Hund springt auch wirklich auf den Clicker an, wenn es darauf ankommt. Auch bekommt man nicht jedes Kommando oder Kunststück mit dem Clicker in den Hundekopf. Bei Verhaltensproblemen kann man mit ihm die Emotionen des Hundes manipulieren z. B. von Artgenossenhass auf eine positive Stimmung bei Artgenossensichtung.

Ich halte ihn in manchen Hundeangelegenheiten für ein prima Werkzeug. Kann jedoch auch verstehen, wenn Hundehalter lieber ohne diese Technik trainieren möchten.

Bindung

Das wohl grundlegendste Element in der Arbeit mit seinem Hund ist eine gute Bindung. So manches Mal wird einen Hundehalter bei einem Problem mit seinem Hund vorgeworfen er hätte keine gute Bindung zu seinem Hund. Doch was macht eine gute Bindung aus und was hat sie mit Erziehungsproblemen zu tun? In der Kynologie bezeichnet Bindung eine besondere soziale Beziehung zwischen Hund und Mensch. Das Maß einer Bindung wird in Stressreaktionen deutlich. Wenn Hund und Mensch eine gute Bindung haben, wird der Hund in Stressreaktionen die Hilfe und den Schutz des Menschen suchen. Auch das Vertrauen, dass ein Hund zu seinem Menschen hat, wird dabei deutlich. Für Bindung und Vertrauen gibt es kein Patentrezept. Sie entstehen durch gemeinsame Erlebnisse, Körperkontakt und inwieweit wir uns auf den anderen verlassen können. Vertrauen ist bei Hunden aber auch genetisch vorhanden, das sogenannte Urvertrauen. Aufgrund der Domestikation hat sich auch das Vertrauensverhältnis geändert. Hunde binden sich je nach Rasse mehr an den Menschen als an seine Artgenossen. Aber was hat das mit Erziehungsproblemen zu tun? Es gibt eigenständige Hunderassen, die auch trotz einer guten Bindung zu ihrem Menschen selbst Entscheidungen treffen und es gibt die Rassen, die jede Handlung von ihrem Menschen abhängig machen. Eine gute Bindung zeigt sich daran welchen Kontakt ein Hund am liebsten sucht.  

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